Der Pilz Ophidiomyces ophiodiicola bei Schlangen in Europa

„Schlangenpilz“ Ophidiomyces ophiodiicola in Europa

Der Pilz Ophidiomyces ophiodiicola kann Ekrankungen der Haut bei Schlangen auslösen.

Pilze sind für eine Vielzahl von Erkrankungen bei Menschen, Tieren und Pflanzen verantwortlich. Ophidiomyces ophiodiicola gehört in die Gruppe der Schlauchpilze (in der auch viele Hefen und „Schimmelpilze“ zu finden sind) und kann eine Pilzerkrankung (Mykose) bei Schlangen verursachen, die vor allem die Haut betrifft. Im Englischen wird die Krankheit “Snake fungal disease” genannt. Bereits bei über 30 Schlangenarten wurde der Erreger nachgewiesen und mit entzündlichen Hautveränderungen, Verkrustungen und Schwellungen in Verbindung gebracht (siehe Foto einer Wassermokassinotter mit geschwollenem Kopf). In den letzten Jahren haben die Fälle dieser Pilzkrankheit in Nordamerika stetig zugenommen, wobei nicht ganz klar ist, ob sich der Pilz ausbreitet, Umweltbedingen für Krankheitsausbrüche günstiger werden oder Wissenschaftler, Naturschützer und Reptilienfreunde diese Krankheit in der Vergangenheit schlicht übersehen haben. Bei den bislang nachgewiesenen Fällen lässt sich allerdings kein Muster hinsichtlich der Lebensweise oder Verwandtschaft der betroffenen Schlangen erkennen, was Anlass für die Vermutung gibt, das grundsätzlich alle Schlangenarten anfällig für den Pilz sein könnten.

Im Sommer 2017 haben Forscher von der Zoological Society of London mit Kollegen den Pilz erstmals bei freilebenden Schlangen in Europa beschrieben. Insbesondere bei Ringelnattern in Großbritannien wurde der Pilz in mehreren Fällen nachgewiesen. Insgesamt wurden in der Studie von Franklinos und Kollegen 336 verstorbene Tiere oder Natternhemden (Exuvien) untersucht, an 80 fanden sich Hautveränderungen, bei denen wiederum in 26 Fällen der Pilz O. ophiodiicola mittels genetischem Test nachgewiesen werden konnte. Während das Krankheitsbild oft als eher mild eingestuft wurde, war die Pilzerkrankung in mehreren Fällen tödlich. Darüber hinaus wurde O. ophiodiicola kürzlich bei Schlangen in Terrarienhaltung in Frankreich nachgewiesen. Ob dieser auch in Deutschland vorkommen könnte, bleibt abzuwarten. Bislang ist noch wenig über den Pilz, seine Verbreitung sowie die Bedeutung für Schlangen bekannt. Weitere Untersuchungen sind notwedig um herauszufinden, ob dieser Pilz eine Bedrohung für Schlangenpopulationen in Europa darstellen könnte, wie das in manchen Regionen in den USA befürchtet wird.

Erhöhte Aufmerksamkeit gegenüber Hautveränderungen bei freilebenden Schlangen sowie Natternhemden und deren Dokumentation (möglichst mit Foto) könnte helfen, ein genaueres Bild der Verbreitung von Hautläsionen und deren Erscheinungsformen zu formen. Geltende Natur- und Artenschutzbestimmungen sind dabei natürlich zu beachten. Die Forscher der Zoological Society of London sammeln im Rahmen des Garden Wildlife Health Monitoring Projektes weiter Hinweise auf die Pilzerkrankung: www.gardenwildlifehealth.org

Darüber hinaus können Hinweise auch an folgende E-Mailadresse geschickt werden:
Kontakt Philipp Berg

Literatur:
Berg (2017): Der Nachweis des Pilzes Ophidiomyces ophiodiicola bei Schlangen in Europa wirft Fragen auf. – Feldherpetologisches Magazin 8: 42-44.
Berg (2018): Ein Schlangenpilz auf dem Vormarsch in Nordamerika und Europa. – Terraria/Elaphe: 70-77.
Lorch et al. (2016): Snake fungal disease: an emerging threat to wild snakes. – Philosophical Transactions of the Royal Society of London B: Biological Sciences: 371/1709.
Franklinos et al. (2017): Emerging fungal pathogen Ophidiomyces ophiodiicola in wild European snakes. – Scientific Reports 7: 3844. DOI:10.1038/s41598-017-03352-1
Picquet et al. (2018) Detection of Ophidiomyces ophiodiicola in two captive bocourt water snakes (Subsessor bocourti) and one captive Pueblan milk snake (Lampropeltis triangulum campbelli). J Zoo Wildl Med. 49(1):219-222.
Sigler et al. (2013): Molecular characterization of reptile pathogens currently known as members of the chrysosporium anamorph of Nannizziopsis vriesii complex and relationship with some human-associated isolates. – Journal of Clinical Microbiology 51: 3338–3357.

Foto der Wassermokassinotter, Agkistrodon piscivorus, nach O. ophiodiicola Exposition (CC BY 4.0 licence): Allender et al. 2015 PLoS ONE 10:e0140193.



 

[ © Philipp Berg 2017 ]

[ Startseite ]